Arbeiter und Arbeitswissenschaft: Zur Entstehung der by Angelika Ebbinghaus

By Angelika Ebbinghaus

Bis heute hat der Taylorismus, in den united states "Scientific administration" und in Deutschland fruher auch "Wissenschaftliche Betriebsfuhrung" oder "Wissen schaftliche Arbeitsorganisation" genannt, seinen Wert als Reizwort nicht verloren. Immer wieder Gegenstand von Untersuchungen und Debatten, haufig miBinterpretiert, sind die Standpunkte uber den Taylorismus bis zum heuti 1 gen Tage gegensatzlich geblieben. Wahrend die einen ihn als den dauerhaf testen Beitrag loben, den die united states neben ihrer Verfassung dem westlichen 2 Denken beigesteuert haben, verdammen andere den Taylorismus in Lenins Wor ten als ein "wissenschaftliches procedure der SchweiBabpressung," ohnealler dings zu wissen oder wahrhaben zu wollen, daB die Boischewiki mit ihrer Machtubernahme zu begeisterten Anhangern einer taylorisierten Produktion three wurden. Psychologisch oder soziologisch orientierte Arbeitswissenschaftler verweisen den Taylorismus gern in den unwissenschaftlichen Vorhof ihrer eigenen Wissenschaftsdisziplin, die sie ja als "wissenschaftliche" Weiter four entwicklung des Taylorismus begreifen. Und es gibt Stimmen, die nach wie vor mit Ford gegen Taylor argumentieren und behaupten, daB sich Taylors "Wissenschaftliche Betriebsfuhrung" mit der Mechanisierung der Produktion five uberlebt habe, wahrend andere wiederum sagen: "Als eine getrennte Bewe gung verschwand er (der Taylorismus, d. V. ) im Grunde genommen in der Welt wirtschaftskrise der DreiBigerjahre, aber bis dahin hatte sich die Kennt nis von ihm uberall in der Industrie verbreitet, und seine Methoden und die ihm zugrunde liegende Philosophie waren in vielen Ingenieur- und Be triebsleitungsschulen zu etwas AIItaglichem geworden., 6 Anfang der 70er Jahre gewann die Auseinandersetzung mit dem Taylorismus erneut an Popularitat.

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Quo vadis Public Relations?: Auf dem Weg zum Kommunikationsmanagement: Bestandsaufnahmen und Entwicklungen

Professionelles Kommunikationsmanagement erschöpft sich nicht in strategischem Handeln. Wer professionell handelt, kann darüber hinaus den Kontext und die Folgen seines Handelns durchschauen. Für professionelles Kommunikationsmanagement ist es daher plausibel, die beabsichtigten Kommunikationsprozesse auf der Grundlage systematischer Forschung zu optimieren.

Mehr als Monotonie und Zeitdruck: Soziale Konstitution und Verarbeitung von psychischen Belastungen im Betrieb

Mit der vorliegenden Arbeit stellen wir die Ergebnisse eines empirischen For schungsprojekts zur Diskussion, das wir an der Abteilung fiir Medizinische So ziologie der Universitat Gottingen (Abteilungsvorsteher: Prof. Dr. Hannes Friedrich) durchgefiihrt haben und das unter dem Titel "Erfassung artikulierter Beanspruchung: Empirische Umsetzung eines arbeitssoziologischen Konzepts zur examine vorwiegend psychisch belastender Arbeitsbedingungen" (Forder kennzeichen: 01 HG 034 three) von Juni 1984 bis September 1987 yom Bundesmini ster fiir Forschung und Technologie im Rahmen des Schwerpunktprogramms "Humanisierung des Arbeitslebens" gefOrdert wurde.

Volkswirtschaftslehre: Einführung in die Grundlagen

Die Volkswinschaftslehre verallgemeinert einzelwinschaftliche Vorgange und geht damit gleichsam auf Distanz zu ihnen. So wie der Landwin seine konkreten Entscheidungen uber Aussaat und Ernte von der Gesamtwetterlage abhangig macht, agien auch der Unternehmer nicht im luftleeren Raum. Er trifft seine Ent scheidungen in Abhangigkeit von der volkswinschaftlichen Gesamtsituation, be achtet die Konkurrenz, die Entwicklung der Preise, der Zinsen, der Nachfrage und der Wechselkurse fremder Wahrungen.

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Es ware Uberaus nUtzlich, wenn eine fahige Feder •.. ,,12 Tarullo, der den aggressiyen Sozialdarwinismus der Eisenbahnbarone untersucht, charakterisiert ihr politisches Selbstverstandnis folgendermaBen: "AIle Unternehmer und Spekulanten des Eisenbahnwesens haben eins gemeinsam: den zeitgemaBen Glauben an den individuellen Egoismus, um aIle Gegner zu besiegen. •. Reichtum zu akkumulieren und Macht zu erreichen, ware fUr ihr ganzes Dasein etwas vital Notwendiges gewesen, was nicht geleugnet werden dUrfte.

17 Mit ihrem Angriff auf die Organisationen der gelernten Arbeiter zielten die Unternehmer vor allem darauf ab, die Entscheidungs- und Machtstrukturen in der Fabrik zu ihren Gunsten zu verandern, und waren in ihrem Vorgehen durchaus nicht zimperlich: bei Streiks wurden sofort Polizei und Militar angefordert; der Einsatz von bewaffneten Streikbrechern war die Regel; von Unternehmerseite wurden schwarze Listen angelegt, damit aktive Arbeiter oder Gewerkschaftsmitglieder keine Arbeit mehr fanden; es wurden gelbe Gewerkschaften oder kontrollierte Betriebskomitees gegrundet, urn die Arbeiter zu spalten; Unternehmer gingen gerichtlich gegen Gewerkschaftsboykotte vor und bekamen, weil makabrerweise die Anti-Trust-Gesetze auf gewerkschaftliche Zusammenschlusse Anwendung fanden, nicht selten Recht zugesprochen; und schlieBlich organisierten sie auf der publizistischen Ebene eine groBe Kampagne gegen die Gewerkschaften, in der die Arbeiterorganisationen als sozialistisch, kommunistisch, anarchistisch oder schlicht als "unamerikanisch" verteufelt wurden.

Die Mitglieder der ASME vertraten die Auffassung, daB in der Geschichte des Kapitalismus der StUcklohn diese ihm zugedachte Funktion nur schlecht erfUllt habe, weil die Unternehmer die StUcklohne immer dann, wenn die Gesamtlohnsumme eine bestimmte Schwelle zu Uberschreiten drohte, gekUrzt hatten. Die Arbeiter hatten wiederholt die Erfahrung gemacht, daB sie zwar immer schneller arbeiten muBten, ihre Lohne aber nicht in dem gleichen Verhaltnis stiegen. Foiglich begannen sie, urn ihre Lohne bei wachsender Arbeitsintensitat nicht weiter zu drUcken, ihre Arbeitsleistung bewuBt zurUckzuhalten, und unterliefen da- - 22 - mit die Absicht des StUcklohns.

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